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... und graben daselbst Brunnen

 

Schütz und Bach: das hat sich das Collegium Vocale zu Franziskanern schon seit langem vorgenommen. Im November ist es soweit.

Schütz und Bach: das sind die beiden Pfeiler der protestantischen Kirchenmusik im Früh- und Hochbarock. 1619 veröffentlichte Heinrich Schütz unter dem Titel "Psalmen Davids" eine Sammlung hochartifizieller Psalmvertonungen - und kündigte gleich im Vorwort an, das sei nur der erste Band, ein zweiter werde bald folgen. Er folgte nie. 1671 jedoch, ein Jahr vor seinem Tod, erschien das letzte seiner Werke: der nur selten aufgeführte "Schwanengesang". Er umfasst im Wesentlichen elf Vertonungen von Versen aus dem 119. Psalm. Aber die musikalische Sprache des "Schwanengesangs" ist eine ganz andere als die des jungen Schütz: ohne alle Extrovertiertheit ist die Musik nun reduziert auf den strengen Dienst am Wort. Ist der "Schwanengesang" vielleicht doch der angekündigte zweite Psalmen-Band?

Aus den "Psalmen Davids" von 1619 singt das Collegium Vocale den Psalm "Wie lieblich sind deine Wohnungen", als Kontrast dazu aus dem "Schwanengesang" fünf ausgewählte Stücke. Den Zusammenhang zwischen den beiden Werkzyklen, die aus Zeitgründen jeweils für sich nicht in einem Programm gesungen werden können, möchten wir so innerhalb eines Konzerts hörbar machen.

Ebenfalls selten zu hören ist die frühe Bach-Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" BWV 106, der sogenannte "Actus tragicus". Für die äusserst ungewöhnliche Besetzung (2 Blockflöten, 2 Viola da gamba, Basso continuo) konnten wir eine hervorragende Instrumentalbesetzung gewinnen.

Für die anspruchsvollen Bass-Solopartien haben wir Marc-Olivier Oetterli und Todd Boyce engagiert. Die andern kleineren Solopartien werden von Solisten des Vokalensembles übernommen. Die Leiterin des Collegium Vocale, Ulrike Grosch, die bei der massgeblichen Kantaten-Gesamteinspielung von Ton Koopman den Amsterdam Baroque Choir einstudiert hat, steht für aussergewöhnliche Kompetenz, wenn es darum geht, solch einem diffizilen Werk zur Geltung zu verhelfen.

Konzerte:

19. November 2011, 19:30 Uhr, Franziskanerkirche Luzern

20. November 2011, 19:00 Uhr, Kapuzinerkirche Stans

Programm:

Heinrich Schütz (1585-1672)

Aus: Schwanengesang, 1671

1. "Wohl denen, die ohne Wandel leben", SWV 482

4. "Gedenke, deinem Knechte an dein Wort", SWV 485

6. "Meine Seele verlanget nach deinem Heil", SWV 487

7. Wie habe ich dein Gesetze so lieb, SWV 488

8. "Ich hasse die Flattergeister", SWV 489

Aus: Psalmen Davids, 1619
"Wie lieblich sind deine Wohnungen", SWV 29

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" (Actus tragicus), BWV 106
für Alt-, Tenor- und Bass-Solo, zwei Blockflöten, 2 Viola da gamba, Basso continuo und vierstimmigen Chor

Besetzung:

Leitung: Ulrike Grosch

Bassbariton: Marc-Olivier Oetterli und Todd Boyce

Blockflöten: Pius Strassmann, Sander Kunz
Violone: Armin Bereuter
Gamben: Silvia Tecardi, Matthias Müller Mohr
Laute: Julian Behr
Orgel: Daniel Rüegg
Solisten und Chor des Collegium Vocale zu Franziskanern Luzern

Dokumente:

Elektronischer Flyer

Plakat

Konzertkritik Schütz und Bach 2011